Alle Artikel
AzoospermieBefundMännergesundheitDiagnostik

Azoospermie: keine Spermien im Ejakulat — Ursachen & Hilfe

Azoospermie bedeutet, dass im Ejakulat keine Spermien gefunden werden. Was die obstruktive von der nicht-obstruktiven Form unterscheidet, welche Ursachen es gibt und welche Wege zum eigenen Kind möglich sind.

FutureKit Medical & Science Team
Ärztlich geprüft · hauseigene Recherche nach WHO-/ESHRE-/AUA-Leitlinien
Veröffentlicht
KERN-ERKENNTNISSE

Was du vor dem Weiterlesen mitnehmen solltest.

  1. 1
    Azoospermie heißt: im Ejakulat sind nach standardisierter Untersuchung keine Spermien nachweisbar (ca. 1 % aller Männer, 10–15 % bei unerfülltem Kinderwunsch).
  2. 2
    Zwei Formen: obstruktiv (Verschluss, Produktion intakt) vs. nicht-obstruktiv (Produktion gestört oder fehlend).
  3. 3
    FSH und LH plus Untersuchung grenzen die Form ein — das entscheidet das weitere Vorgehen.
  4. 4
    Auch bei Azoospermie ist über operative Spermiengewinnung (TESE) und ICSI in vielen Fällen eine biologische Vaterschaft möglich.

Kurz gesagt: Azoospermie heißt, dass im Ejakulat nach standardisierter Untersuchung keine Spermien nachweisbar sind. Sie betrifft etwa 1 % aller Männer und rund 10–15 % der Männer mit unerfülltem Kinderwunsch. Man unterscheidet zwei Formen: die obstruktive Azoospermie (Spermien werden gebildet, aber ein Verschluss blockiert den Weg) und die nicht-obstruktive (gestörte oder fehlende Produktion). Wichtig: Azoospermie bedeutet nicht automatisch, dass ein eigenes, genetisch verwandtes Kind ausgeschlossen ist — in vielen Fällen lassen sich Spermien operativ aus dem Hoden gewinnen und per ICSI nutzen.

Was Azoospermie genau bedeutet

Bei einem Spermiogramm wird das Ejakulat nach Zentrifugation gezielt auf Spermien durchsucht. Findet sich keine einzige, lautet der Befund Azoospermie. Weil ein Einzelbefund täuschen kann, wird die Diagnose durch eine zweite Probe bestätigt. (Werden nur vereinzelt Spermien gefunden, spricht man von Kryptozoospermie — siehe Schlechtes Spermiogramm & OAT.)

Die zwei Formen — und warum die Unterscheidung alles entscheidet

Obstruktive Azoospermie (OA)

Die Spermienproduktion im Hoden ist intakt, aber ein Verschluss blockiert den Transport — etwa durch eine frühere Sterilisation (Vasektomie), Entzündungen, eine angeborene Fehlbildung der Samenleiter (oft mit CFTR-Genmutationen assoziiert) oder Narben. Typisch: Testosteron und FSH meist normal, Hoden normal groß.

Nicht-obstruktive Azoospermie (NOA)

Die Produktion selbst ist gestört oder fehlt. Ursachen: genetische Faktoren (z. B. Klinefelter-Syndrom, Y-Chromosom-Mikrodeletionen), Hormonstörungen, Z. n. Chemo-/Strahlentherapie, Hodenhochstand in der Vorgeschichte, schwere Hodenschäden. Typisch: FSH oft erhöht (das Gehirn „ruft lauter"), Hoden teils verkleinert.

Welche Form vorliegt, grenzen Hormonwerte mit ein — vor allem FSH und LH (siehe FSH und LH erklärt) — plus Untersuchung, Ultraschall und genetische Tests.

Mögliche Ursachen im Überblick

  • Genetisch: Klinefelter-Syndrom, Y-Mikrodeletionen, CFTR-Mutationen (Samenleiteragenesie)
  • Hormonell: hypogonadotroper Hypogonadismus (Steuerung aus dem Gehirn), Hypophysenstörungen, hohes Prolaktin
  • Anatomisch/erworben: Vasektomie, Entzündungen/Infektionen, Verletzungen, Hodenhochstand, eine ausgeprägte Varikozele
  • Therapiefolgen: Chemotherapie, Bestrahlung, bestimmte Medikamente, anabole Steroide

Welche Wege zum eigenen Kind möglich sind

Die Diagnose ist heute deutlich weniger endgültig, als sie klingt:

  • Bei obstruktiver Azoospermie lassen sich Spermien fast immer gewinnen — entweder durch operative Wiederherstellung des Wegs (z. B. Vasektomie-Refertilisierung) oder durch direkte Entnahme aus Nebenhoden/Hoden.
  • Bei nicht-obstruktiver Azoospermie kann eine mikrochirurgische Hodenbiopsie (micro-TESE) in einem relevanten Anteil der Fälle einzelne, nutzbare Spermien aus dem Hodengewebe finden. Diese werden per ICSI direkt in die Eizelle gebracht.
  • Hormonelle Formen sind teils sogar medikamentös behandelbar, sodass wieder Spermien im Ejakulat erscheinen.
  • Wenn keine Spermien gewonnen werden können, sind Spendersamen oder Adoption mögliche Wege — ein Gespräch, das in spezialisierte Beratung gehört.

Was du jetzt tun solltest

Azoospermie gehört immer in fachärztliche Hände (Andrologie/Urologie, Kinderwunschzentrum). Sinnvolle nächste Schritte: Bestätigungstest, Hormonpanel zur Einordnung (OA vs. NOA), körperliche Untersuchung und — je nach Befund — genetische Diagnostik. Ein Hormonpanel liefert dabei die hormonelle Grundeinordnung, ersetzt aber nicht die fachärztliche Abklärung. Die zugehörigen Spermiogramm-Grenzwerte stehen in der Werte-Tabelle.

Dein nächster Schritt

Für die hormonelle Erst-Einordnung misst das FutureKit-Hormonpanel Testosteron, FSH, LH, Prolaktin, Östradiol und SHBG. Hast du bereits einen Spermiogramm-Befund, ordnet ihn das Spermiogramm-Tool verständlich ein. Die weiterführende Diagnostik und Behandlung gehört in ein andrologisches Zentrum bzw. Kinderwunschzentrum.

Quellen

  • Salonia A. et al. (laufend aktualisiert). EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. European Association of Urology.
  • Practice Committee of the ASRM (2018/Update). Management of nonobstructive azoospermia. Fertility and Sterility.
  • Esteves S. C. (2015). Clinical management of infertile men with nonobstructive azoospermia. Asian Journal of Andrology.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und Selbstkontrolle und ersetzt keine ärztliche Beratung. Azoospermie sollte immer fachärztlich abgeklärt werden.

FAQ

Auch oft gefragt.

WEITERLESEN